Akte SV Werder Bremen
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05 Momente

Special Moments — Rippenbrüche, Platzwunden, Gehirnerschütterung. Ritter Kuno

Otto Rehhagels Werder-Anfang 1981: Kuno Klötzers Autounfall auf der B214, Rudi Assauers Anruf in der 2. Liga, der Wiederaufstieg mit 93 Toren, die Meisterschaften 1988 und 1993, der Europapokalsieg 1992.

ORACLE · LIVE Spieltag 33 · Sa., 16.05., 13:30
Werder BVB
Heim 29.1% 3.30
Unent. 24.0% 4.01
Ausw. 46.9% 2.05

Unvergessliche Momente

Kuno Klötzers Autounfall auf der B214 im Februar 1981

Am 8. Februar 1981 verunglückt Werders Trainer Kuno Klötzer bei vereister Fahrbahn zwischen Celle und Braunschweig.

Jedem Fußballfan ist der Schreck in die Glieder gefahren. Am 8. Februar 1981 ist der geschätzte Trainerkollege Kuno Klötzer auf der B214 zwischen Celle und Braunschweig bei vereister Fahrbahn schwer mit seinem Auto verunglückt. Rippenbrüche, Platzwunden, Gehirnerschütterung. „Ritter Kuno“, wie sie ihn in Hamburg getauft haben, hat Glück im Unglück gehabt.

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Klötzers Comeback-Versuch mit fast 59 Jahren

Nach dem Unfall will der 58-jährige Kuno Klötzer noch einmal auf die Werder-Trainerbank zurückkehren.

Kuno versucht noch mal, auf die Trainerbank von Werder Bremen zurückzukehren. Mit seinen fast 59 Jahren gehört er zu den Oldies in diesem Geschäft, diesem brutalen Trainergeschäft. Wie hart es in der Bundesliga-Trainergilde zugeht, habe ich selbst am eigenen Leib erfahren.

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Das 0:12 in Mönchengladbach und das Ende beim BVB

Am 30. April 1978 verliert Rehhagels BVB 0:12 in Gladbach — bis heute die höchste Bundesliga-Niederlage.

Am 30. April 1978 hat mich Borussia Dortmund nach einem 0:12 bei Borussia Mönchengladbach am letzten Bundesliga-Spieltag von meiner Trainertätigkeit beim BVB freigestellt. Die Medien, bei denen ich oft angeeckt bin und denen ich in der Vergangenheit schon oft die Schuld an der Schnelllebigkeit des Fußballgeschäfts gegeben habe, sind natürlich nicht zimperlich. „Otto Torhagel“ ist noch die mildeste Bezeichnung für das höchste Desaster, das je ein Team in der deutschen Fußball-Eliteliga hat hinnehmen müssen – und für welches ich die Verantwortung trage.

Einige besonders kluge Journalisten unterstellen mir sogar, ich hätte das Spiel absichtlich so hoch verloren, damit Gladbach noch Deutscher Meister wird.

Bestechung und so weiter. Das ist natürlich Kokolores.

„Die Leute, die das geschrieben haben, wagen heute nicht mehr, mit mir zu sprechen. Das hat zuerst in der BILD-Zeitung gestanden, die haben einfach einen Aufhänger gesucht“, ist damals meine Antwort auf die heftigen Anschuldigungen.

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Schwer vermittelbar: Bielefeld und das Trainer-Stigma

Im Oktober 1979 gibt Rehhagel sein Amt bei Arminia Bielefeld in der 2. Liga freiwillig ab — und gilt fortan als unvermittelbar.

Seit ich im Oktober 1979 bei Arminia Bielefeld in der 2. Liga mein Traineramt freiwillig zur Verfügung gestellt habe und mir DSC-Präsident Jörg Auf der Heyde unterstellt hat, mir hätte „die Eigenmotivation gefehlt“ und ich könne „mit Mannschaften nur kurzfristige Erfolge erzielen“, sieht man mich in der Branche sogar als schwer vermittelbar an. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was dir als Bundesliga-Trainer passieren kann. Wenn dir die Leute nicht mehr zutrauen, dauerhaften Erfolg als Trainer zu haben, dann bist du die ärmste Sau der Liga.

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Dramatische Wendepunkte

Düsseldorf 1980: Rehhagel widerlegt das Feuerwehrmann-Image

Bei Fortuna Düsseldorf beweist Rehhagel erstmals, dass er mehr ist als der tobende Krisenmanager.

Bei Fortuna Düsseldorf habe ich allen gezeigt, dass ich es kann. Dass ich nicht nur der wie ein Irrwirsch am Spielfeldrand herumtobende „Feuerwehrmann“ bin, als der ich in der Liga wahrgenommen werde. „Der Rehhagel wird auch noch ruhiger“, prophezeit mir Toni Schumacher 1986. Mein Düsseldorfer Musterschüler Klaus Allofs, den ich später auch zu Werder Bremen hole, bestätigt dies eindrucksvoll: „Er kam als Feuerwehrmann, als der Sprücheklopfer, als der Trainer, der eine Mannschaft retten kann, aber nicht lange bleibt.

Er hatte zwar schon einige Vereine hinter sich, aber noch nicht die Erfahrung.

Dennoch war er in der Lage, die Mannschaft gut einzustellen, das Wesentliche zu erkennen.“

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DFB-Pokalsieg 1980 mit Düsseldorf — und das Aus im Dezember

Der DFB-Pokalsieg 1980 ist Rehhagels erster Trainer-Titel; ein 0:3 in Lautern beendet seine Düsseldorfer Zeit.

DFB-Pokalsieger 1980 mit der Fortuna, mein erster Titel als Trainer. Ein 0:3 in Kaiserslautern im Dezember 1980 und Tabellenplatz 16 führen zu meinem Abschied aus Düsseldorf, weil sich der Verein zuvor schon die Dienste von Heinz Höher gesichert hat. Er hat wie ich das zweifelhafte Image eines „Feuerwehrmannes“.

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Rudi Assauers Anruf und der Werder-Trainerwechsel 1981

Manager Rudi Assauer überredet Rehhagel im Februar 1981, Klötzers Nachfolge in der 2. Liga anzutreten.

Kuno Klötzer geht es im Februar 1981 zum Glück wieder besser. Aber er hat bohrende Kopfschmerzen und kann den Trainerjob bei Werder Bremen nicht mehr dauerhaft ausüben. Werder Bremens Manager Rudi Assauer meldet sich.

Er überredet mich, Klötzers Nachfolge bei Werder in der 2. Liga anzutreten.

Zwischendurch hat er sich während Kunos Abwesenheit selbst auf die Bank gesetzt. Das hat er schon während der Abstiegssaison 1979/80 gemacht – und Ankündigungen „gebracht“, die heutzutage undenkbar wären.

„Es gibt insofern einen Wunschtrainer, den Trainer, der uns wieder unten rausholt, den wünsche ich mir“, sagt Assauer im Januar 1980. Er holt sich den 67-jährigen Trainer-Veteran Fritz Langner dazu und spendiert zur Auflockerung vor dem Auswärtsspiel in München Schnaps für die ganze Mannschaft.

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Abstieg 1980: 93 Gegentore und Böhmerts Koma-Diagnose

Nach dem Abstieg 1980 mit 93 Gegentoren spricht Präsident Böhmert offen vom Koma des Vereins.

Dass diese Thekenfußballer-Mentalität nichts bringt, kann man sich denken. Es ehrt Assauer, dass er nach dem Abstieg 1980, der schlechtesten Saison, die Werder Bremen jemals in der Bundesliga gespielt hat, geblieben ist. 93 Gegentore hat man hinnehmen müssen, allein elf gegen Meister FC Bayern München.

„Ich habe das mit verbockt, ich repariere das auch“, sagt Assauer.

Sein Chef, der Anästhesist Dr. Franz Böhmert, der seit 1970 Werder-Präsident ist, wählt ein Jahr später drastischere Worte: „Der Verein lag im Koma“ – „In der 2. Bundesliga“, hat Franz sehr gut erkannt, „wird wie in der ersten Klasse trainiert und bezahlt.“ Assauer hat jedoch eine Gehaltsgrenze gezogen: „Kein Spieler bekommt mehr als 200.000 Mark.“

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Der Spott-Kader: Fichtel mit 35, Kostedde mit 34

Assauers 200.000-Mark-Gehaltsdeckel führt zu einem Kader, den DER SPIEGEL als „Auffanglager“ verspottet.

Damit hat er die meisten Spieler vertrieben. Dieter „Budde“ Burdenski ist einer der wenigen, die geblieben sind. Ansonsten sorgt Werder Bremens Kader in der 2. Liga bei den Medien für beißenden Spott.

„Die neuen Spieler vermitteln den Werder-Fans fast das Gefühl, der Verein richte im Weserstadion ein Auffanglager für alternde und zurückgebliebene Fußballspieler ein“, schreibt DER SPIEGEL, „der neue Libero Klaus Fichtel zählt 35 Jahre, der neue Mittelstürmer Erwin Kostedde 34.“ Das ist böse.

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Kosteddes neun Tore in zwölf Spielen unter Rehhagel

Der verspottete Erwin Kostedde liefert unter Rehhagel neun Tore in zwölf Spielen ab.

Mit meinen Jungs werde ich vom ersten Tag an das Gegenteil beweisen. Erwin Kostedde, der schon in Dortmund und Offenbach mein Spieler ist und unter keinem Trainer mehr Tore erzielt als während unserer Zusammenarbeit, zahlt mein Vertrauen mit neun Toren in zwölf Spielen zurück. Das Comeback als Werder-Coach endet mit einem souveränen 4:2-Erfolg bei Union Solingen, auch dank eines Treffers von Kostedde.

Es folgt ein 6:0 zu Hause gegen Alemannia Aachen.

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Klötzers Verzicht und der Wiederaufstieg 1981

Kuno Klötzer verzichtet bei Präsident Böhmert offiziell zugunsten Rehhagels — Werder steigt mit 93 Toren auf.

Ein paar Tage später geht Kuno Klötzer zu Dr. Franz Böhmert und verzichtet zu meinen Gunsten auf den Trainerposten bei Werder Bremen. Es wird für mich, aber auch für Böhmert und seinen SVW der entscheidende Moment, der alles zum Guten wenden wird. Gemeinsam kehren wir souverän 1981 und mit der besten Tor-Ausbeute des Vereins im Profifußball von 93 eigenen Treffern in die Bundesliga zurück.

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„Fußballruhm dauert nur eine Woche“ — Rehhagels Maxime

Nach dem 4:2 zum Bundesliga-Wiederauftakt gegen Gladbach lehnt Rehhagel alle Glückwünsche ab.

Aber: Die bis dahin drei Entlassungen in meiner Trainerkarriere haben mich vorsichtiger werden lassen. Nach dem 4:2 gegen Borussia Mönchengladbach zum Saisonstart lehne ich alle Glückwünsche ab. Das mögen mir viele als typische Otto-Arroganz ausgelegt haben, ich aber bleibe bei dem, was ich damals gesagt habe: „Fußballruhm dauert nur eine Woche.“ Das ist nach unseren Riesen-Erfolgen nicht anders.

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Meister 1988 und 1993, Europapokalsieger 1992

Zwei Meistertitel, zwei DFB-Pokale und der Europapokal der Pokalsieger 1992 machen Werder zur europäischen Größe.

1988 und 1993 wird Werder Bremen Deutscher Meister und von „Otto, dem Zweiten“ spricht nicht mal mehr mein Münchner Intimfeind Udo Lattek. Der Europapokalsieg der Pokalsieger 1992 und die Triumphe im DFB-Pokal von 1991 und 1994, die rauschenden Europacup-Nächte im Weserstadion – nirgendwo in Deutschland zelebrieren die Fans Flutlichtspiele so wie in Bremen – machen Werder in ganz Europa zur festen Größe.

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Der erste Werder-Einsatz 1976 und das 20.000-Mark-Märchen

Bereits 1976 arbeitet Rehhagel mit Präsident Böhmert im Abstiegskampf zusammen — Hennes Weisweiler hatte beim BVB abgesagt.

Mit Dr. Franz Böhmert habe ich schon 1976, als Werder Bremen im Abstiegskampf steckt, zusammengearbeitet. Dass er mir, dem „Feuerwehrmann“ Otto Rehhagel, der mit 50 so viel Geld verdient haben will, dass er im Irrenhaus wenigstens erster Klasse liegen kann, 20.000 Mark für den Klassenerhalt gezahlt hat, ist noch so ein mediales Märchen.

Nachdem meine Mission in Bremen erfüllt war, habe ich bei Borussia Dortmund unterschrieben, weil dort Hennes Weisweiler abgesagt hat.

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SVW im Liga-Vergleich

Eigenkapital-Quote
21,8%
Liga-Ø 34,1%
Personalkosten-Quote
50,9%
Liga-Ø 47,9%
Verbindlichkeiten-Quote
59,6%
Liga-Ø 47%
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Häufige Fragen

Was sind die unvergesslichsten Momente von Werder?
SV Werder Bremen hat Momente erlebt, die für immer in der Vereinsgeschichte verankert sind — dramatisch, emotional und einzigartig.
Welche Spiele waren bei Werder besonders denkwürdig?
Die denkwürdigsten Partien und ihre Geschichten werden im Special-Moments-Kapitel erzählt.
Was macht die Special Moments von Werder besonders?
Jeder Moment erzählt eine Geschichte über den Charakter und die Seele von SV Werder Bremen.
Was behandelt Special Moments?
Jedem Fußballfan ist der Schreck in die Glieder gefahren.
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