Aad de Mos: ein halbes Jahr, ein Spiegel-Interview, eine Million Mark
Der Niederländer soll 1995 Rehhagels Erbe antreten – und ist nach 17 Spieltagen Geschichte.
Nach dem Scheiden von „Übervater Otto“ präsentiert der Bundesligist am 1. Juli 1995 ambitioniert den neuen Trainer. De Mos sollte weiterführen was Rehhagel erfolgreich aufgebaut hat. Die Vereinsspitze um Vize-Präsident Klaus-Dieter Fischer und Präsident Dr.
Franz Böhmert kommt bei der Präsentation ihrer neuesten Errungenschaft gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. Doch zu früh gefreut! Schnell müssen die Bremer erkennen, dass der Niederländer nur auf eine Weise eine Bereicherung für den Verein ist – in puncto Schlagzeilen.
Nach der Hinrunde verzeichnet Werder nur drei Siege und liegt auf einem ernüchternden 15. Tabellenplatz. Doch nicht nur die schlechte Punkteausbeute wird de Mos zum Verhängnis. In einem Interview mit dem „Spiegel” redet sich der Niederländer um Kopf und Kragen, behauptet er habe „in diesem erstarrten Fußballland nichts zu suchen” und dass aus Bremen „niemals etwas werden würde”.
De Mos wird aufgrund vereinsschädigenden Verhaltens fristlos entlassen. Er verklagt daraufhin nicht nur den „Spiegel“, sondern auch den SV Werder, will seine Wiedereinstellung per Gerichtsbeschluss erstreiten und geht letztlich mit einer Millionen Mark Abfindung nach Hause. Bedankt.
Trittin tritt: Werders Umweltbotschafter über den Wiesenhof-Deal
Der Grünen-Politiker beendet im August 2012 seine Rolle als Werder-Botschafter, sobald der Geflügelkonzern aufs Trikot kommt.
„Lebenslang Werder – kein Tag Wiesenhof” lautet das Statement des Grünen-Politikers im August 2012. Nachdem Bremen im Geflügelunternehmen Wiesenhof einen neuen Trikotsponsor gewinnen kann, zieht Trittin die Konsequenz und sich als Umwelt-Botschafter des Vereins zurück. Die Firma sei „Teil des agrarindustriellen Systems" und als Partner mit einem nachhaltigen und umweltbewussten Verein nicht vereinbar. Als Kritiker der konventionellen Nutztierhaltung ist abzusehen, dass Trittin die Entscheidung der Vereinsführung nicht unterstützen würde.
Den Bossen ist es egal, der Politiker zieht seine Haltung durch. Trotz seines Rückzugs als Botschafter hält er fußballerisch nach wie vor zu Werder.
Klasnic gegen die Vereinsärzte: 1,5 Millionen Euro und ein Bruch
Der Doublesieger von 2004 verklagt 2008 Werders Mannschaftsärzte – und verlässt den Klub im Streit.
Der Kroate läuft sieben Jahre lang für Werder auf, bevor er sich gegen eine angebotene Vertragsverlängerung entscheidet. Grund dafür: Die Vereinsärzte. Der Stürmer hat im April 2008 Klage gegen die Mannschaftsärzte Götz Dimanski und Manju Guha eingereicht, nachdem sie seine schlechten Nierenwerte nicht erkannt haben.
Klasnic, der sich 2007 einer Nierentransplantation unterziehen muss und seither der weltweit einzige aktive Fußballprofi mit einer transplantierten Niere auf dem Platz ist, fordert Schmerzensgeld und Schadensersatz. Insgesamt fordert er 1,5 Millionen Euro für die jahrelange schlechte Behandlung, bei der durch den Einsatz von Schmerzmitteln die Nieren zusätzlich belastet worden seien. In 151 Bundesligaspielen erzielt er 49 Tore für Werder und gewinnt mit Werder 2004 das Double aus Meisterschaft und Pokal.
Am Ende hilft auch ein erhöhtes Angebot nicht, um den Kroaten zu halten. Das Misstrauen gegenüber den Ärzten überwiegt, Klasnic verzeiht dem Verein die Versäumnisse in seiner Behandlung bis heute nicht.
SVW im Liga-Vergleich
Hausverbote, Suspendierungen und gescheiterte Transfers
Tim Wiese, der ehemalige Nationaltorhüter und Werder-Ikone, wird 2022/23 aus dem Traditionsteam des Vereins ausgeschlossen und erhält Hausverbot.
Tim Wiese: Hausverbot für die UEFA-Cup-Finalisten-Ikone
Werder schließt den Ex-Nationaltorhüter 2022/23 aus dem Traditionsteam aus und erteilt Hausverbot.
Tim Wiese, der ehemalige Nationaltorhüter und Werder-Ikone, wird 2022/23 aus dem Traditionsteam des Vereins ausgeschlossen und erhält Hausverbot. Hintergrund sind Bilder und Vorwürfe, die ihn in die Nähe der rechten Szene rücken. Wiese bestreitet die Anschuldigungen, doch der Verein bleibt konsequent.
Für einen Spieler, der 202 Bundesliga-Spiele für Werder bestritt und Teil der Elf war, die 2009 beinahe das UEFA-Cup-Finale erreicht hätte, ist das ein tiefer Fall.
Mesut Özil unerwünscht beim Diego-Abschiedsspiel
Beim geplanten Abschiedsspiel für Diego stuft Werder den Weltmeister von 2014 als „nicht willkommen" ein.
Mesut Özil wird im Umfeld der Planungen für ein Diego-Abschiedsspiel als „nicht willkommen" eingestuft. Der Verein distanziert sich von seinen öffentlichen Äußerungen.
Naby Keïta: ablösefrei aus Liverpool, suspendiert, 2024 weg
Der guineische Mittelfeldspieler wird zum Sinnbild eines gescheiterten Werder-Transfers.
Naby Keïta kommt 2023 ablösefrei vom FC Liverpool — und wird zum Inbegriff eines gescheiterten Transfers. Der guineische Mittelfeldspieler wird wegen Disziplinproblemen suspendiert und nie in die Mannschaft integriert. Die Trennung folgt 2024.
SVW — Financial Stability Score
Werder erholt sich langsam vom Abstiegs-Schock 2021, aber die Bilanz trägt noch die Narben: VQ 59,6%, EK-Quote nur 21,8%. Der Traditionsclub braucht 3-4 stabile BL-Jahre, um die Kennzahlen zu normalisieren. Ein erneuter Abstieg wäre bilanziell deutlich schmerzhafter als 2021.