Sechs Biografien zwischen 1965 und heute, die Werder zu dem gemacht haben, was der Klub ist: ein Trainer-Duo, zwei Stürmer-Ikonen, ein Meisterkapitän aus dem Hafen und der Manager, der den Aufstieg organisierte.
Otto Rehhagel — vom Feuerwehrmann zum König an der Weser
Als Kurzzeit-Retter 1976 geholt, kehrt Rehhagel 1981 zurück und prägt 14 Jahre lang die erfolgreichste Ära des Vereins.
Februar 1976 als “Feuerwehrmann” zum SV Werder Bremen, mit einem Vertrag bis Saisonende. Die Norddeutschen stehen am 22. Spieltag auf Platz 14 der Bundesligatabelle und sind vom Abstieg bedroht. Feuerwehrmann Rehhagel soll das machen, was er in den 70-er Jahren häufiger macht: eine Mannschaft kurzfristig zum Erfolg führen und dann wieder gehen.
Die Mission gelingt, die Mannschaft stabilisiert sich und schafft den Klassenerhalt. Nach dem letzten Heimspiel gegen Duisburg (2:0) stürmen die Fans das Spielfeld, tragen Rehhagel auf den Schultern und wollen direkt eine Vertragsverlängerung heraushandeln, die Otto aber dankend ablehnt. Denn er steht schon bei Aufsteiger Borussia Dortmund im Wort.
Im April 1981 kehrt der Erfolgstrainer dann, noch in der 2. Bundesliga, zurück nach Bremen. Und dieses Mal ist er gekommen um zu bleiben. Unter “König Otto” wird Bremen zweimaliger Deutscher Meister (1988, 1993), gewinnt den DFB-Pokal (1991, 1994), den Supercup (1988, 1993, 1994) sowie den Europapokal der Pokalsieger (1992).
Rehhagel prägt den Verein mit seinem absoluten Machtanspruch (“Jeder hat das Recht, meine Meinung zu sagen”) und mit seiner Philosophie der “kontrollierten Offensive”), die attraktiv und von Erfolg gekrönt ist. In seiner Zeit bei Werder wird er vom „Kicker“ viermal zum Trainer des Jahres gewählt.
Rudi Völler — Torschützenkönig im ersten Bremer Jahr
Vom 1860-Absteiger zum Publikumsliebling: Völler trifft in fünf Werder-Jahren 97-mal in der Bundesliga.
Rudolf „Rudi” Völler - Eine Legende mit Bodenhaftung! Bevor “Tante Käthe” als Kulttrainer in die Hall of Fame des Fußballs einzieht, hat er als Aktiver in Bremen bereits Geschichte geschrieben. Völler kommt 1982 vom Absteiger 1860 München in den Stadtstaat und wird in seiner ersten Spielzeit direkt Bundesliga-Torschützenkönig.
In seinen fünf Jahren bei Bremen wird er dreimal Vizemeister und erzielt 97 Bundesligatore. Lockenkopf, Schnauzbart und viel Leidenschaft machen Rudi zum Publikumsliebling.
Thomas Schaaf — 14 Jahre Cheftrainer, ein Leben lang Werderaner
Schaaf ist von 1972 bis 2013 ohne Unterbrechung beim SVW und führt die Grün-Weißen 2004 zum bislang letzten Meistertitel.
Mit 14 Jahren und einem Tag ist Schaaf im deutschen Profifußball einer der Trainer, der am längsten ohne Unterbrechung für einen Verein tätig ist. Von 10. Mai 1999 bis 11. Mai 2013 hat Schaaf die Zügel in der Hand und führt eine damals verunsicherte Mannschaft zurück an die Spitze der Bundesliga. Doch die Geschichte von Schaaf und Bremen geht weiter zurück: Der gebürtige Mannheimer ist von 1978 bis 1995 nicht nur als Spieler in der Jugend, sondern auch als Jugendtrainer bei Werder tätig.
Bei seinem Debüt als Profi ist er der jüngste Spieler, der in der Bundesliga für Bremen je aufläuft (Stand Dezember 2019). Im Werder-Trikot bestreitet der Verteidiger 262 Bundesliga- und 19 Zweitligaspiele, gewinnt zweimal die deutsche Meisterschaft (1988 und 1993), zweimal den DFB-Pokal (1991 und 1994) sowie den Europapokal der Pokalsieger (1992). Auch als Trainer hält die Siegesserie lange an.
Schaaf führt die Grün-Weißen 2004 zum Deutschen Meistertitel, holt drei DFB-Pokale (1999, 2004, 2009) und schafft es ins UEFA-Pokalfinale (2009). Das heutige Ehrenmitglied des SVW wird nach dem Double 2004 zum Trainer des Jahres gewählt.
Claudio Pizarro — der ewige Peruaner an der Weser
Vier Stationen, ein Klub: Pizarro wird in Bremen zum ältesten Torschützen der Bundesligahistorie.
Der peruanische Pferdeliebhaber lässt seit jeher Bremer Fanherzen höherschlagen. Seine erste Werder-Phase dauert von 1999 bis 2001, er erzielt 29 Tore und wird von den Bayern gekauft. 2008 kehrt „Piza“ als “Leihgabe” von Chelsea zurück, wird erfolgreichster Torschütze der Bremer und gewinnt den DFB-Pokal.
Er spielt bis 2012 für die Grün-Weißen. Nach einem erneuten Intermezzo beim FC Bayern streift sich Pizarro 2015 ein weiteres Mal das Bremen-Trikot über. Die On-Off-Beziehung hält für zwei Jahre, in denen er erfolgreichster Torschütze des Vereins wird und sein 400. Bundesligaspiel bestreitet - Rekord eines ausländischen Spielers.
Nach einem glücklosen Abstecher nach Köln (Abstieg 2018) kehrt der Peruaner im gleichen Jahr 2018 ein weiteres Mal zurück an die Weser. Er feiert dort seinen 41. Geburtstag und avanciert zum ältesten Torschützen der Bundesligahistorie. Pizarro ist Kult an der Weser.
Pico Schütz — Kapitän der ersten Werder-Meisterschaft
Arnold „Pico“ Schütz führt Werder 1965 zum Titel und arbeitet nebenher als Schadensbesichtiger im Bremer Hafen.
Arnold „Pico“ Schütz gewinnt als Spieler des SV Werder Bremen 1961 den DFB-Pokal und in der zweiten Saison der Bundesliga, 1964/65, als Kapitän die Meisterschaft. Insgesamt trägt die Vereinslegende von 1955 bis 1972 826-mal das Werder-Trikot. Von 1963 bis 1972 spielt er 253-mal für Werder Bremen in der Bundesliga und schießt 69 Tore.
In den Anfangsjahren der Oberliga Nord spielt er zumeist als Mittelstürmer, später eher als Lenker im Mittelfeld. Übrigens: Der 2015 verstorbene Ehrenspielführer von Werder übt während seiner gesamten aktiven Profilaufbahn im Hafen von Bremen als Schadensbesichtiger einer Versicherung einen „normalen“ Beruf aus.
Willi Lemke — Manager, Senator, UN-Sonderberater
Mit Böhmert und Rehhagel bildet Lemke das Triumvirat hinter Werders erfolgreichster Ära.
Wilfried „Willi“ Lemke war Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienst von Frieden und Entwicklung, Senator für Bildung und Wissenschaft und Senator für Inneres und Sport der Freien Hansestadt Bremen. Nach seiner Zeit als Manager von Werder Bremen. Unter der Führung von Franz Böhmert, Willi Lemke und Otto Rehhagel (dem Bremer Triumvirat) hat Werder seine erfolgreichste Zeit.
Berühmt sind seine öffentlichkeitswirksam inszenierten Händel mit Uli Hoeneß. Lemke gilt als Erfinder der VIP-Logen in deutschen Fußballstadien, die es zuerst im Weserstadion gibt.
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SVW · GJ 2023-24Werner, Ducksch, Füllkrug — die Architekten des Wiederaufstiegs
Ole Werner übernimmt im November 2021 den in der 2.
Ole Werner — der Coach des Wiederaufstiegs
Werner übernimmt im November 2021 einen kriselnden Zweitligisten und führt Werder als Meister zurück in die Bundesliga.
Ole Werner übernimmt im November 2021 den in der 2. Bundesliga kriselnden Verein und führt ihn als Meister zurück in die Bundesliga.
Marvin Ducksch — der Mann für die großen Momente
In der Aufstiegssaison 2021/22 entscheidet Ducksch die wichtigen Spiele für Werder.
Marvin Ducksch wechselt im Sommer 2021 von Hannover 96 zu Werder Bremen — direkt nach dem Bundesliga-Abstieg der Bremer. In der Zweitliga-Saison 2021/22 wird er zum Schlüsselspieler des direkten Wiederaufstiegs: 20 Saisontore, dazu 14 Vorlagen.
Im Oberhaus festigt Ducksch seine Rolle als Sturm-Stammkraft im Duo mit Niclas Füllkrug. 2024 verlängert er seinen Vertrag bis 2027. Sein Profil als torgefährlicher, technisch versierter Mittelstürmer prägt das Werder-Spiel der frühen 2020er Jahre.
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Niclas Füllkrug — vom Verletzungssorgenkind zum WM-Torschützen
Das Werder-Eigengewächs trifft 2022 in Katar gegen Spanien und wechselt 2023 für 15 Millionen Euro nach Dortmund.
Niclas Füllkrugs Karriere ist lange Zeit von Verletzungen geprägt: Kreuzbandriss bei Hannover 96, mehrere Innenband-Probleme, immer wieder verlorene Saisons. Sein Wechsel zu Werder Bremen 2019 markiert den Beginn der Wende — bei Trainer Florian Kohfeldt und später Ole Werner findet er endlich kontinuierliche Spielzeit.
2022/23 wird Füllkrug Bundesliga-Torschützenkönig (16 Tore, geteilt mit Christopher Nkunku). Bundestrainer Hansi Flick beruft ihn kurzfristig in den WM-Kader für Katar 2022 — Füllkrug trifft im Gruppenspiel zum 1:1 gegen Spanien und im letzten Spiel gegen Costa Rica. Aus dem Werder-Stürmer wird der unerwartete Nationalheld. Im Sommer 2023 wechselt er zum BVB — Werder bleibt das Sprungbrett seiner Karriere.
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SVW — Financial Stability Score
Werder erholt sich langsam vom Abstiegs-Schock 2021, aber die Bilanz trägt noch die Narben: VQ 59,6%, EK-Quote nur 21,8%. Der Traditionsclub braucht 3-4 stabile BL-Jahre, um die Kennzahlen zu normalisieren. Ein erneuter Abstieg wäre bilanziell deutlich schmerzhafter als 2021.