Kapitel 06

Personae Non Gratae

Diese Typen sind unbeliebt
3 Min. LesezeitAktualisiert: März 2026
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Aad de Mos – Bedankt: Nur sechs Monate darf der Niederländer die Bremer lenken, bis er vorzeitig verabschiedet wird. Nach dem Scheiden von „Übervater Otto“ präsentiert der Bundesligist am 1. Juli 1995 ambitioniert den neuen Trainer. De Mos sollte weiterführen, was Rehhagel erfolgreich aufgebaut hat. Die Vereinsspitze um Vize-Präsident Klaus-Dieter Fischer und Präsident Dr. Franz Böhmert kommt bei der Präsentation ihrer neuesten Errungenschaft gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. Doch zu früh gefreut! Schnell müssen die Bremer erkennen, dass der Niederländer nur auf eine Weise eine Bereicherung für den Verein ist – in puncto Schlagzeilen. Nach der Hinrunde verzeichnet Werder nur drei Siege und liegt auf einem ernüchternden 15. Tabellenplatz. Doch nicht nur die schlechte Punkteausbeute wird de Mos zum Verhängnis. In einem Interview mit dem „Spiegel” redet sich der Niederländer um Kopf und Kragen, behauptet er habe „in diesem erstarrten Fußballland nichts zu suchen” und dass aus Bremen „niemals etwas werden würde”. De Mos wird aufgrund vereinsschädigenden Verhaltens fristlos entlassen. Er verklagt daraufhin nicht nur den „Spiegel“, sondern auch den SV Werder, will seine Wiedereinstellung per Gerichtsbeschluss erstreiten und geht letztlich mit einer Millionen Mark Abfindung nach Hause. Bedankt.

Jürgen Trittin – Der Sprücheklopfer: „Lebenslang Werder – kein Tag Wiesenhof” lautet das Statement des Grünen-Politikers im August 2012. Nachdem Bremen im Geflügelunternehmen Wiesenhof einen neuen Trikotsponsor gewinnen kann, zieht Trittin die Konsequenz und sich als Umwelt-Botschafter des Vereins zurück. Die Firma sei „Teil des agrarindustriellen Systems" und als Partner mit einem nachhaltigen und umweltbewussten Verein nicht vereinbar. Als Kritiker der konventionellen Nutztierhaltung ist abzusehen, dass Trittin die Entscheidung der Vereinsführung nicht unterstützen würde. Den Bossen ist es egal, der Politiker zieht seine Haltung durch. Trotz seines Rückzugs als Botschafter hält er fußballerisch nach wie vor zu Werder.

Ivan Klasnic – Der Pechvogel: Der Kroate läuft sieben Jahre lang für Werder auf, bevor er sich gegen eine angebotene Vertragsverlängerung entscheidet. Grund dafür: Die Vereinsärzte. Der Stürmer hat im April 2008 Klage gegen die Mannschaftsärzte Götz Dimanski und Manju Guha eingereicht, nachdem sie seine schlechten Nierenwerte nicht erkannt haben. Klasnic, der sich 2007 einer Nierentransplantation unterziehen muss und seither der weltweit einzige aktive Fußballprofi mit einer transplantierten Niere auf dem Platz ist, fordert Schmerzensgeld und Schadensersatz. Insgesamt fordert er 1,5 Millionen Euro für die jahrelange schlechte Behandlung, bei der durch den Einsatz von Schmerzmitteln die Nieren zusätzlich belastet worden seien. In 151 Bundesligaspielen erzielt er 49 Tore für Werder und gewinnt mit Werder 2004 das Double aus Meisterschaft und Pokal. Am Ende hilft auch ein erhöhtes Angebot nicht, um den Kroaten zu halten. Das Misstrauen gegenüber den Ärzten überwiegt, Klasnic verzeiht dem Verein die Versäumnisse in seiner Behandlung bis heute nicht.

Aad de Mos Trainer Werder Bremen erfolglos 1995 Spiegel
Abb.1.8.6 Erfolglos in Bremen – Aad de Mos ist im Jahr 1995 kurzzeitig Trainer in Bremen und „disst“ den Verein öffentlich im SPIEGEL. Foto: Imago Images/ Pressefoto Baumann
Alle Kapitel: 01. Prolog 02. Good to Know 03. Für die Hater 04. Für die Lover 05. Schlüsselfiguren 06. Personae Non Gratae 07. Tragisch 08. OMG — Oh My God 09. Fun Facts 10. Special Moments 11. Weise Worte 12. Steckbrief [Annex]
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