Kapitel 02

Good to Know

Was wenige wissen
3 Min. LesezeitAktualisiert: März 2026
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Werder Bremen ist bekannt dafür hanseatisch und solide zu wirtschaften. Weniger bekannt ist, dass das nicht immer so ist und der Versuch, Werder Bremen zum Spitzenteam der 70-er Jahre zu machen, im Desaster endet.

Zur Saison 1971/72 wechselt der SV Werder nicht nur seine Trikotfarben, sondern will mit einem Starensemble wieder Deutscher Meister werden. Anstatt im traditionellen „Grün-Weiß" läuft der SVW in den „Speckflaggen-Trikots" auf. Die Farben der Stadt Bremen leuchten auf dem Shirt, statt dem Werder-W zeigt sich der Bremer Schlüssel auf der Brust der längsgestreiften Trikots. Mit Hilfe der Stadt und der Bremer Wirtschaft werden dem Verein Schulden erlassen und der Klub wird an den Erlösen aus den Werbeeinnahmen des Weserstadions beteiligt. Und Werder geht auf Einkaufstour. Willi Neuberger und Werner „Acker" Weist (von Borussia Dortmund) sowie Herbert Laumen (Borussia Mönchengladbach) tragen nun das Bremer Trikot. Was wenige wissen: Fast hätte auch Laumens Gladbacher Mitspieler, der Gladbacher Superstar, Günter Netzer in der Saison 1971/72 an der Weser angeheuert. Spieler und Klub sind sich bereits einig, als Netzer zur Bedingung für einen Wechsel macht, dass er genau wie in Gladbach auch in Bremen die Stadionzeitung herausgeben darf. Werder lehnt ab, Netzer darf das „Werder-Echo“ nicht herausgeben und bleibt zunächst in Gladbach. Das Unterfangen Meisterschaft scheitert. Werder wird in der Saison 1971/72 nur Elfter und allseits verspottet. Die neuen Sponsoren ziehen sich zurück. Überschuldet taumelt der Verein der 2. Bundesliga entgegen.

Werder in HSV-Trikots? Gibt es nicht? Gibt es doch! Als zu ähnlich im Farbton empfindet Schiedsrichter-Legende Walter Eschweiler (Euskirchen) am 27. November 1971 zur Halbzeit im Hamburger Volksparkstadion die Trikots der Nord-Rivalen HSV und Werder Bremen. Denn: Anders als im gewohnten Grün-Weiß bestreiten die Werderaner ja die Saison 1971/72 in Jerseys in den Bremer Stadtfarben Rot und Weiß und auch in Hamburg haben sie keine wirklich unterscheidbaren Ausweichtrikots dabei. Die Folge: Werder muss in der zweiten Hälfte der Partie, die mit 1:2 verloren wird, in HSV-Trikots spielen. Mehr Demütigung geht nicht…

Kaum zurück in der Bundesliga, kassiert Werder Bremen 1981/82 die bis heute höchste Niederlage seiner Bundesliga-Zugehörigkeit. Bei Eintracht Frankfurt setzt es am 14. Spieltag ein 2:9 (1:4). „Ronny“ Borchers trägt sich auf Frankfurter Seite dreimal in die Torschützenliste ein. Weniger bekannt ist, dass ein Autounfall Mitschuld an der hohen Niederlage der Bremer trägt. Denn Bremens Ersatztorwart Hermann Rülander, der für den Stammtorhüter Dieter Burdenski spielt, hat sich vor Spielbeginn in Folge eines Autounfalls eine Gehirnerschütterung zugezogen und sieht die Bälle doppelt. Er erzählt aus falschem Ehrgeiz seinem Trainer Otto Rehhagel nichts von der Verletzung. Ein Desasterdebüt - Rülander spielt nie wieder in der Bundesliga.

Horst-Dieter Höttges Günter Netzer Werder Bremen 1972
Abb.1.8.2 Fast hätten sie 1971/72 zusammen bei Werder Bremen gespielt – Horst-Dieter Höttges (l.) und Günter Netzer (r.). Foto: Imago Images/WEREK
Alle Kapitel: 01. Prolog 02. Good to Know 03. Für die Hater 04. Für die Lover 05. Schlüsselfiguren 06. Personae Non Gratae 07. Tragisch 08. OMG — Oh My God 09. Fun Facts 10. Special Moments 11. Weise Worte 12. Steckbrief [Annex]
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